|
16./17.10.2010, Nordbayerischer Kurier
Einweihungsakt für das CabrioSol: Landrat verteidigt Millionenzuschuss durch den Kreis
Baden wie die alten Römer
Von Stefan Brand
Pegnitz. Ein buntes Bild bot sich den rund 140 Ehrengästen gestern Nachmittag bei der Einweihung des neuen Ganzjahresbades CabrioSol.
Es war ein fröhlicher Festakt:
Probleme der Vergangenheit kamen nur am Rand zur Sprache. Wie beim Testlauf vor einer Woche (der Kurier berichtete) war Optimismus Trumpf.
Natürlich listete Bürgermeister Manfred Thümmler bei "diesem historischen Ereignis für Pegnitz" noch einmal die Argumente pro Ganzjahresbad aus seinem Blickwinkel auf. Ein marodes Hallenbad, ein renovierungsbedürftiges Freibad - "aus heutiger Sicht hätte uns die Sanierung 13 Millionen Euro gekostet", verteidigte er die 17-Millionen-Investition. Wobei davon eine Million für die Hackschnitzelheizanlage und eine Million für vom Stadtrat abgesegnete "Sonderwünsche" (wie etwa das Solebecken) zu Buche schlagen.
Herausgekommen sei ein Bad, das sich in seiner Struktur mit den Bäderkonzepten des alten Rom messen könne, auch damals schon habe man viel Wert auf Faktoren wie Erholung, Gesundheit oder Sonnengenuss gelegt.
So sah dies auch Regierungspräsident Wilhelm Wenning.
Eine attraktive Einrichtung sei dieses CabrioSol, das zu jeder Jahreszeit für jede Altersgruppe etwas zu bieten habe. Selbstverständlich existiere eine Konkurrenzsituation in der Bäderlandschaft, das Pegnitzer Bad habe aber das Zeug dazu, sich langfristig zu behaupten.
Alleinstellungsmerkmal
Weil es nicht nur durch sein Cabriodach ein Alleinstellungsmerkmal besitze, sondern als Gesamtpaket ein solches darstelle, "das den Markt erobern wird".
Dass die Regierung von Oberfranken 1,3 Millionen Euro aus Finanzmitteln des Freistaats bewilligen konnte, sei auch der Tatsache geschuldet, dass hier 113 Schulklassen aus Pegnitz, Schabelwaid und Größen Schwimmunterricht erhalten, verwies Wenning auf eine wichtige Funktion des CabrioSol. Diesen Faden nahm Landrat Hermann Hübner auf, der ausdrücklich die Gewährung eines Zuschusses von einer Million Euro durch den Kreistag billigte, von dem 3000 Schüler und Studenten profitierten.
Als Vorsitzender des Zweckverbandes Therme Obernsees habe er sich natürlich kritischen Fragen stellen müssen, ob man damit nicht den Niedergang des eigenen Aushängeschilds in der regionalen Bäderwelt forciere. Doch davon könne seiner Meinung nach keine Rede sein, denn: "Wer den Wettbewerb nicht will, hat in dieser Gesellschaft nichts verloren."
Er sei der Überzeugung, dass der zu verteilende Kuchen durch neue Angebote durchaus größer werden könne.
Ziel der Landkreispolitik müsse es außerdem sein, die Menschen zu mehr Bewegung, zu mehr Sport zu animieren. Die Steigende Zahl von Nichtschwimmern unter Kindern und Jugendlichen lasse sich auf ein zum Teil überaltertes Bäderangebot zurückführen.
Für Hübner sind letztlich alle Bäder überlebensfähig, auch die Lohengrin-Therme in Bayreuth - wenn mehr Menschen als bisher dafür zu gewinnen sind, sie auch zu nutzen. Unabhängig davon sei Pegnitz das Ganze ja nicht einfach so in den Schoß gefallen.
Mutiger Schrittt
Die Stadt habe vielmehr einen "mutigen Schritt" getan, einen finanziellen Kraftakt geschultert und sich mit viel Kreativität um die Umsetzung bemüht. Auch Bürgermeister Thümmler sah die Förder-Million als gerechtfertigt an, schließlich sei sie an die größte Stadt im Landkreis geflossen, die rund 30 000 Menschen im engeren Umfeld mit diesem Bad bediene.
Nach Ansprachen und Grußworten marschierten Kinder und Jugendliche der Schwimmfreunde, der Wasserwacht, des MTV, der Leichtathletiksparte des FC Pegnitz und der Stadtgarde Glückauf - begleitet von zünftigen Klängen der Gruppe Dadara - ins Herzstück des CabrioSol, das sieben Bahnen aufweisende 25-Meter-Becken, stürzten sich in die Fluten und demonstrierten damit, dass dieses Becken auf für viele Nutzer durchaus groß genug ist.
Vielfältige Verwendung
Die Schwimmfreunde zogen ein paar Bahnen im Wettkampftempo, die Wasserwacht zeigte eine Rettungsstaffel - und im benachbarten Lehrschwimmbecken mittels einiger Trampoline zu besichtigen war, wie vielfältig diese Anlage verwendet werden kann.
Architekt Michael Krieger aus Velbert bilanzierte vor der Schlüsselübergabe noch einmal die zweijährige Bauzeit in Zahlen, Daten und Fakten. Bis zu 70 Handwerker pro Tag waren demnach auf dieser Baustelle aktiv.
600 Quadratmeter Fläche umfasst das acht Tonnen schwere Cabriodach, das sich binnen acht Minuten öffnen oder schließen lässt. Die Wasserfläche beträgt 1480 Quadratmeter, die Becken beinhalten 2,27 Millionen Liter Wasser.
200 Freikarten für Bedürftige
Pegnitz. Bei der kirchlichen Segnung sprachen Dekan Dr. Schoenauer und sein katholischer Kollege Geistlicher Rat Reus von einem Gelungenen Werk, einem Ort der Kommunikation, von zusätzlicher Lebensqualität für die Stadt. Ihren dabei geäußerten Wunsch, ein großzügiger Bürgermeister möge es doch ermöglichen, dass auch Menschen dieses Bad besuchen können, deren Geldbeutel das nicht so ohne weiteres hergibt, fand bei Manfred Thümmler offene Ohren.
Er werde dafür sorgen, dass zunächst einmal aus der Unternehmenswelt 200 Freikarten zur Verfügung gestellt werden, die zum Beispiel über die Pegnitzer Tafel verteilt werden, versprach er.
Quelle: Nordbayerischer Kurier
|