Freizeitanlagen betreiben

Mit viel Herzblut und Sachverstand 

„Es geht uns als Betreiber darum, die planerischen Ideen mit Leben zu füllen. Das machen wir, indem wir viel zuhören und von unseren Gästen lernen.“

Interview mit Christian Kuhn, Geschäftsführer bei KRIEGER und der Deutschen Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft mbH & Co. KG.

KRIEGER ist bundesweit eines der wenigen Planungsbüros, das im Rahmen einer Unternehmensgruppe eine Betreibergesellschaft vorweisen kann. Wie kam es zu dieser Gründungsidee und wie hat sich das Geschäft seither entwickelt?

Dr. Christian Kuhn „Die DSBG wurde 1968 von Dr. Friedhelm Krieger gegründet. Die Grundidee bestand damals darin, dass Architekten auch wirtschaftliche Verantwortung für ihr Projekt übernehmen sollten. Groß geworden sind wir dann mit Eissporthallen. Bis heute betreiben wir fünf solcher Anlagen. Dazu kommt der Betrieb von sechs Sport- und Freizeitbädern. Wenn man so will, gibt es das Modell der ‚Private Public Partnership‘ (PPP) mit der DSBG schon seitdem die erste Eissporthalle 1971 in Betrieb gegangen ist. Diese Partnerschaftlichkeit ist immer noch die wesentliche Stärke der DSBG. Das ist auch genau das, was die Verbindung zu KRIEGER ausmacht: die DSBG spiegelt die Anforderungen aus dem Markt, Begehrlichkeiten, Bedürfnisse, alltägliche Kleinigkeiten aber auch Trends zu den Planern zurück.“

Was unterscheidet die DSBG von anderen Betreibern?

Dr. Christian Kuhn "Ein weiterer Punkt ist natürlich die unmittelbare Nähe zum Planungsbüro. Sobald eine Fachfrage auftritt, haben wir den direkten Zugang zu den Kollegen, die einem schnell eine sehr kompetente Antwort geben können. Dabei ist von Vorteil, dass ich als Geschäftsführer bei der DSBG und bei KRIEGER Verantwortung übernehmen kann. Ein drittes Unterscheidungsmerkmal stellt unsere Erfahrung aus dem Betrieb von Eissporthallen dar. Bekanntermaßen ist der wirtschaftliche Betrieb von Eissporthallen aufgrund REINE BADEKULTUR Mit viel Herzblut und Sachverstand Wasser- und Erlebniswelten betreiben. der enorm hohen Betriebskosten eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Aus dieser Erfahrung heraus wissen wir wie wichtig es ist, die Kostenseite im Griff zu behalten. Durch unsere Vernetzung mit dem Planungsbüro sind wir außerdem als Betreibergesellschaft in allen entscheidenden Fachgremien präsent: der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), der European Waterpark Association (EWA) und der Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen (IAKS).“

Die Wirtschaftlichkeit eines Sport- und Freizeitbades ist ein essentieller Faktor. Wie lässt sich diese aus Betreibersicht erreichen?

Dr. Christian Kuhn

„Wirtschaftlichkeit lässt sich auf der Kostenseite zunächst durch konsequente Kostenoptimierung und beharrliches Controlling erreichen. Auf der Erlösseite kann Wirtschaftlichkeit insbesondere in Sauna- und Wellnessanlagen durch eine hohe Dienstleistungsqualität gesteigert werden. Damit dieser Spagat gelingt, ist es wichtig, bereits in einer ganz frühen Planungsphase die Ausrichtung des Objektes mitbestimmen zu können. Dazu analysieren wir die Situation und erstellen gutachterliche Stellungnahmen, die planerische Möglichkeiten auf der einen Seite und wirtschaftliche Potenziale, aber auch Notwendigkeiten auf der anderen Seite betrachten. In diesen Analysen sind wir führend und liegen mit unserer Vorhersagegenauigkeit sehr gut.“

Welche Möglichkeiten gibt es für eine Kommune, einen externen Betreiber für ihr Bad einzusetzen?

Dr. Christian Kuhn

„Grundsätzlich gibt es zwei Modelle: Betriebsführung und privatwirtschaftlicher Betrieb. Bei der Betriebsführung wird im Namen und auf Rechnung der Kommunen gehandelt. Im Rahmen eines politisch legitimierten Business-Plans darf dann der Betriebsführer frei handeln. In der Variante des privatwirtschaftlichen Betriebs sieht das völlig anders aus. Hier handeln wir auf eigene Rechnung und damit auf eigenes Risiko. Das heißt aber auch, dass die Einflüsse der Kommune vorher klar definiert sein müssen. Viele Kommunen ziehen es jedoch vor, den Betrieb eines Bades selbst zu übernehmen, brauchen aber jemanden, der das Konzept beherrscht und ihnen Strukturen beibringt. In solchen Fällen bieten wir ein Coaching an. Auch übernehmen wir bei Bedarf alle Aufgaben des Pre-Openings“.

WELCHEN ENTWICKLUNGEN MÜSSEN SICH BETREIBER UND DAMIT AUCH BAUHERREN VON SPORT - UND FREIZEITBÄDERN KÜNFTIG STELLEN?

Dr. Christian Kuhn

„Hier gibt es zwei große Themen: Der Kostendruck der Kommunen und die Demografie. Bäder gelten als einer der größten Kostenfaktoren einer Kommune. Aufgrund des steigenden Kostendrucks in den städtischen Haushalten führt dies entweder zu Schließungen oder Neuausrichtungen. Hier sind wieder unsere gutachterlichen Stellungnahmen gefragt, die solche Entscheidungen planbar und kalkulierbar machen. Der zweite Punkt ist die demografische Entwicklung, die sich wandelnde Benutzeranforderungen zur Folge hat. Diese entwickeln sich zunehmend in Richtung Gesundheit und Prävention, aber auch Sport. Der Markt wird sich aber weiterhin ständig ändern. Daher gilt es, den Markt zu beobachten und ein Netzwerk von Kontakten zu pflegen z.B. zu Freizeitforschungsinstituten und zu Universitäten. So können wir Trends früh genug erkennen und mit neuen Konzepten entsprechend darauf reagieren.“

IN GEVELSBERG HAT DIE DSBG GERADE DEN BETRIEB ÜBERNOMMEN UND DAS NEUE SAUNADORF AFRICANA ERÖFFNET. WELCHEN HERAUSFORDERUNGEN MUSS SICH DIE DSBG DORT STELLEN?

Dr. Christian Kuhn

„Das Einzugsgebiet einer Wellness-Anlage kann durchaus 50 bis 100 km im Radius abdecken. Denn letztendlich sind die Anlagen nicht für einen schnellen 1- bis 2-stündigen Saunagang konzipiert, sondern bieten genug für eine halbtägige oder auch ganztägige Verweildauer, Kurzurlaub eben. Schaut man sich in diesem Radius des Standortes um, kann man sehr genau feststellen, welche Möglichkeit bestehen, um Saunagänger aus dem Umfeld zu gewinnen oder sogar Besucher für mehr Wellness zu begeistern. Da hilft es natürlich, wenn man eine Atmosphäre schaffen kann, die auch mit Urlaub in Verbindung zu bringen ist. Afrika ist exotisch und dieses Thema gilt es nun im Produkt und in der Außenkommunikation zu spielen. Die Gäste müssen sich wie in Afrika fühlen, wir erschaffen eine Erlebniswelt und werden versuchen, sie so lange in dieser Welt zu halten, wie sie es sich wünschen. Speisen, Getränke, Sound, Anwendungen oder Events – aus anderen Anlagen kennen die Verwantwortlichen der DSBG, worauf es den Saunagästen ankommt. Und ihr Ziel ist es, dann immer noch ein bisschen zu überraschen.“

Einer Freizeitanlage ein neues Gesicht zu geben, ist eine der zentralen Aufgaben des Betreibers. Die Positionierung der Marke funktioniert oft mit Hilfe einer klaren Thematisierung. Die Entscheidung fällt bereits in der Planungsphase und basiert auf einer umfassenden Analyse der Standortfaktoren.

Saunadorf Africana in Gevelsberg