Kombinationsbad für eine zukunfts­orientierte Stadt. Dr. Christoph Müllmann im Interview.

Das Pappelseebad ist 2012 eröffnet worden. Wie kam es zu der Entscheidung, an dem Standort des alten Bades neu zu bauen?

„2007  gab es erste Überlegungen, das fast 40 Jahre alte Hallenbad zu sanieren. Schnell stellte sich heraus, dass ein Neubau günstiger sein würde. Auch das Freibad war zu großen Teilen sanierungsbedürftig und mit seinen immensen Wasserflächen unwirtschaftlich. Eine Bedarfsanalyse hatte schließlich ergeben, dass eine Kombination aus Schul- und Vereinsbad mit öffentlicher Schwimmnutzung ergänzt um den Freibadbereich benötigt wird. Eine Positionierung als Spaßbad würde nur begrenzt funktionieren, da sowohl das neue Hallenbad als auch das Freibad im Rahmen des Budget- und Raumprogrammes nicht ausreichend Spaßbadcharakter bieten würde.“

Welche Idee lag der Planung des neuen Bades zugrunde? 

„Im Zuge der Überlegungen mit KRIEGER Architekten  |  Ingenieure haben wir uns entschieden, das alte Hallenbad zunächst stehen zu lassen. In dem Bereich, in dem sich das alte 50-m-Freibad-Schwimmerbecken befand, sollte das neue Hallenbad errichtet werden. Diese Planung hatte drei Vorteile: Zum einen konnten wir die Unterhaltungskosten der Freibadwasserflächen deutlich senken. Zum anderen konnte parallel zum Bau des neuen Hallenbades das alte weiterhin betrieben werden, sodass unsere Gäste nur zwei Monate auf ein Hallenbad verzichten mussten. Außerdem entwickelte sich durch den neuen Standort des Hallenbades der Panoramagedanke, da von dort aus Blickbeziehungen auf die Freibadanlage bis hin zum nahe gelegenen Pappelsee geschaffen wurden. Die Grundidee des Entwurfs bestand darin, Hallenbad und Freibad zu einer kompakten Anlage zusammenzufassen.“ 

Haben Sie die mit der Planung des Projektes gesteckten Ziele erreicht?

„Wir haben das Investitionsbudget leicht unterschritten und konnten den Zuschuss trotz dieser Neuinvestition noch leicht senken. Das liegt daran, dass wir jetzt weniger Personal einsetzen und die Energiekosten geringer ausfallen. Dadurch konnten wir die erhöhten Abschreibungen kompensieren.

Was die Projektplanung und -abwicklung betrifft, so war die Zusammenarbeit  mit KRIEGER Architekten  |  Ingenieure äußerst erfolgreich. Der Ablauf ist sehr stringent gewesen, auch was Kosten und Termine angeht. Dies gilt sowohl für die zuständigen Architekten als auch für die Bauleitung vor Ort.

Die Besucherzahlen haben sich nicht erhöht. Das würde unser Konzept auch nicht hergeben. Die Anzahl der jugendlichen Besucher ist eher zurückgegangen. Dafür ist das Panoramabad Pappelsee durch den Spielplatz- und Planschbeckenbereich im Freibad attraktiver für Familien mit kleinen Kindern geworden. Außerdem bieten wir im Hallenbad eine Besonderheit an: Durch ein eigens entwickeltes Hubbodenbecken mit integrierter Treppe sind wir flexibler für das Kursangebot geworden. Hier können wir eine steigende Nachfrage verzeichnen.

Insgesamt ist das neue Bad mit seiner freundlich hellen Ausstrahlung und seinem bedarfsgerechten Angebot für die Stadt neben anderen städteplanerischen Projekten als ein positives Aufbruchssignal zu bewerten.“ 

Projektdaten Kamp-Lintfort

Kennzahlen
Bauherr Stadt Kamp-Lintfort, Spaßbad Pappelsee Am Rathaus 2 47475 Kamp-Lintfort
Baukosten 6,96 Mio. EUR
Baubeginn Januar 2011
Planungsbeginn September 2009
Fertigstellung April 2012
Kubatur und Flächen
Brutto-Rauminhalt (m³) 14.580,00
Netto-Grundfläche (m²) 1.693,00
Brutto-Geschossfläche (m²) 2.766,00
Wasserfläche (m²) 1.219,00
Raumprogramm
  •  Funktionsräume
    • Foyer/Kassenservice
    • Verwaltungsräume
    • Personal- und Sozialräume
  • Umkleiden
    • Individual- und Sammelumkleiden
    • Sommerumkleiden
  • Lehrschwimmbecken
    • Hubboden
      inkl. flexibler Treppe
    • Beckengröße 8 x 12,5 m
  • Sportbereich
    • Beckengröße 5 Bahnen à 25 m
    • Sprunganlage
  • Außenbereich
    • Eltern-Kind-Becken
    • Terrassen
    • Erlebnisbecken