Das zweigeschossige Gebäude bettet sich in die Höhenentwicklung des Hanggrundstückes ein. Die kompakte Kubatur beinhaltet auf einer Ebene (Erdgeschoss) alle Funktionen für den Badbetrieb. Das Obergeschoss ist für die Aufnahme des Raumprogrammes der Sauna reserviert. Eine nahezu vollständige Unterkellerung der Badeplatte gewährleistet die optimale Anordnung der technischen Anlagen für die Ver- und Entsorgung des Bades.

Für die Menschen hatte der Wald immer schon eine ganz besondere Bedeutung. Er wird als ein Ort der Ruhe und Entspannung empfunden. Für den durch Wälder, Wiesen und Felder geprägten wunderschönen Westerwald ein harmonisch in die Natur eingebundenes Sport- und Freizeitbad zu planen, galt als eine besondere Herausforderung. 

Für das ganze Jahr gerüstet

Die Planer von KRIEGER Architekten | Ingenieure zeigten mit ihrem siegreichen Entwurf, dass hier die Lage Programm ist. Das wegen Baufälligkeit geschlossene alte Hallenbad musste einem neuen Konzept weichen. Das Freibad wurde stillgelegt. Als würdigen Ersatz entwickelte KRIEGER dann ein Kombinationsbad ergänzt durch eine Saunalandschaft. Alles unter dem Motto „Waldbad“. Entgegen zunächst anders lautender Aufgabenstellung, die lediglich ein Hallenbad vorsah, schlugen die Planer die Umsetzung des bewährten Cabrio-Daches vor.

Dieses Konzept ermöglicht dem Betreiber innerhalb von wenigen Minuten bei den ersten warmen Sommer-Sonnenstrahlen das Dach sowie die Glasfaltwände zu öffnen und so eine Freibad-Atmosphäre zu schaffen. Der gesamte Baukörper besteht aus zwei Ebenen und fügt sich harmonisch in die Topographie der Landschaft ein. Durch die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz in der Fassadengestaltung wird bereits auf den ersten Blick Regionsverbundenheit vermittelt. Dies fördert außerdem die ökologische Akzeptanz des Neubaus bei der Bevölkerung.

Die untere Ebene des Baukörpers bietet Raum für alle Funktionen des Badebetriebs. Ein Sportbecken mit einer 3-m-Sprungplattform und einem 1-m-Sprungbrett bietet als Vario-Becken Bereiche mit entsprechenden Wassertiefen für Nichtschwimmer, Schwimmer und Springer. Klimatisch und akustisch vom Sportbecken getrennt, befinden sich auf gleicher Ebene ein Multifunktionsbecken, ein Kinderbecken mit diversen fest montierten Spielgeräten sowie einem Wasserspielplatz mit interaktivem Spielzeug. 

Die Gastronomie dient hier an zentraler Stelle sowohl die Badelandschaft, den Aufenthaltsbereich im Foyer als auch die Sauna im Obergeschoss an. Das Gastronomiekonzept basiert auf der Verwendung von Convenience-Produkten und ermöglicht einen wirtschaftlich optimierten Betrieb. Die gesamte Innenraumgestaltung des Bades wird vom Thema Wald bestimmt. Verkleidungselemente aus Holz und schieferfarbene Bodenbeläge verleihen der Architektur ein hohes Maß an Modernität sowie Naturverbundenheit und Regionsbezug. 

Die Holzoptik der Dekore in den Umkleidekabinen und in grüne Laubfarben getauchte Schränke geben dem Badegast auch hier das Gefühl, sogar im Innenbereich von Natur umgeben zu sein. Die Verkleidung der Schwimmhalle mit Lärchenleisten prägt die visuelle Atmosphäre und reduziert zudem die Nachhallzeiten. Der oben liegende Gebäudeteil mit dem Saunabereich schiebt sich zwischen die vorhandenen und nachverdichteten Baumstrukturen und geht eine scheinbare Verbindung mit diesen ein. Auch hier wird der Besucher durch Dekorationselemente und einem speziellen Beleuchtungskonzept immer wieder an das Thema Wald erinnert. 

Zusätzlich zu den architektonischen und gestalterischen Anforderungen war das Thema Wald und Umwelt ebenfalls in der Technik zu berücksichtigen. Dazu wurde zunächst die Gebäudehülle nach den aktuellsten Erkenntnissen energiesparenden Bauens erstellt. Als Fassadenbekleidungen werden wartungsarme Wollwärmeschutzsysteme und hinterlüftete Holzverschalungen aus heimischen Naturhölzern in modernster Verarbeitungsweise verwendet. Für die Auswahl der Technik war maßgebend, auch bei zukünftig steigenden Kosten für Energieträger, den Betrieb möglichst kostengünstig zu gestalten. 

Zu bevorzugen waren hier ressourcen- und umweltschonende Verfahren, wie ein Wärmerückgewinnungssystem, eine Schlammwasseraufbereitung, ein Klein-BHKW, ein Pelletkessel zur Verwendung regionaler Hölzer, sowie ein Gasheizkessel zur Spitzenlastabdeckung, bzw. Redundanz. Konzept anstelle spektakulärer Attraktionen Fazit: Beim Molzbergbad handelt es sich um ein Sport- und Freizeitbad, das ideal für eine Stadt bzw. ein Einzugsgebiet vergleichbarer Größenordnung ist. Laut Betreiber erfüllt es die Erwartungen der Gäste in jeder Hinsicht. Das neue Raumprogramm wurde zunächst als Herausforderung begriffen, da die Bevölkerung in der Vergangenheit an ein Spaßbad gewöhnt war. Die mit dem aktuellen Konzept vermeintlich fehlenden spektakulären Attraktionen werden nun durch eine stilvolle und konzeptionsstarke Architektur sowie durch ein entsprechend vielseitiges Kursangebot, das inzwischen als ausgebucht gilt, wett gemacht.

Projektdaten Kirchen-Molzberg

Kennzahlen
Bauherr Freizeitbad Molzberg GmbH
Leistung Generalplanerleistungen, Neubau
Baukosten 8,0 Mio. EUR
Baubeginn Dezember 2009
Fertigstellung November 2011
Kubatur und Flächen
Brutto-Rauminhalt (m³) 22.460,00
Netto-Grundfläche (m²) 4.350,00
Brutto-Geschossfläche (m²) 5.030,00
Wasserfläche (m²) 464,50
Raumprogramm
  • Funktionsräume
    • Foyer/Kassenservice
    • Verwaltungsräume
    • Personal- und Sozialräume
  • Gastronomie
    • Foyer, Sport, Sauna
  • Umkleiden
    • Individual- und Sammelumkleiden
    • Saunabereich
  • Lehrschwimmen
    • Beckengröße 8 x 12,5 m
  • Sportbereich
    • Beckengröße 5 Bahnen à 25 m,
      inkl. Sprunganlage, Treppe
  • Erlebnisbereich
    • Eltern-Kind-Becken
  • Saunabereich
    • Innen- und Außensauna