Es ist Dezember und wir dürfen Architekturfotos machen.

Wir begegnen Patrick Kösters auf dem kleinen Dorfplatz. Dort liegt sein Büro direkt gegenüber dem „Schwimmdock“. Er hat uns schon erwartet, führt uns voller Stolz durch alle Räume und versorgt uns mit allen Informationen, nach denen wir fragen. Bald wissen wir, dass es ein besonderes Bad ist, das in vieler Hinsicht durch die Insel ­Spiekeroog ­geprägt ist. Wir empfinden Entschleunigung. 

Das Bad aus den 1970er Jahren wurde gerade wieder eröffnet. Wie bei so vielen Bädern war der Zenit überschritten und der Touristenort musste die Qualität der Freizeitimmobilie deutlich anheben. Es sollte ein Wellness-, Spa- und Badeangebot entstehen, das auf dem Niveau von hochwertigen Hotelanlagen für Touristen ein weiterer Besuchermagnet ist und öffentlich zugänglich bleibt.

Wir haben Zeit. Die Fähre geht erst am nächsten Tag zurück. Dann werden uns die gleichen Gäste begleiten, die auch schon auf der Fahrt hinwärts Mitreisende waren. Spiekeroog hat Pause. Es ist noch ruhiger als sonst auf der autofreien Insel. 

„Für alle war es eine große Herausforderung, hier zu bauen. Für die Planer ebenso wie für die ausführenden Firmen. Wer ein Werkzeug oder Material vergaß, konnte nicht mal eben nachbestellen. Das hätte den ganzen Zeitplan durcheinander geworfen“, erzählt uns der Bereichsleiter Tourismus Patrick Kösters, während er uns durch die Schwimmhalle führt. Der Blick fällt dort unweigerlich auf die wellenförmig ansteigende Holzdecke, von der die Projektbeteiligten zu Recht begeistert sind. Sie wirkt beruhigend, selbstverständlich, großzügig.

Auch im Eltern-Kind-Bereich findet sich Spiekeroog wieder. Den kleinen Flusslauf kennen wir schon von der Wanderung am Meer, wenn die Ebbe den Strand zum Spielen freigibt. Aber auch die Liegeflächen fehlen: „Wer hier mit Kindern Urlaub macht, soll sich auch mit ihnen beschäftigen und nicht daneben liegen“, leicht schmunzelnd bestätigt Herr Kösters den pädagogischen Anspruch, den es wohl auf der Insel gibt. 

Auf dem Weg durch die Anlage findet man viele Zitate der Umgebung. So war der Anspruch formuliert. Es galt, die Natur hereinzuholen und den Blick nach außen offen zu lassen. Man kann erkennen, dass die Dalben in der Eingangshalle über Jahrzehnte ihren Dienst im Hafen geleistet haben. Treibholz dient jetzt als Spiegeltisch und die Gräser säumen den Weg zwischen Sauna und Spa. Der Strandkorb gehört hierhin, nirgends sonst – als selbstbewusstes Statement steht da nur einer. Er wirkt wie eine heimische Skulptur auf der Badeterrasse.

Die Materialien sind harmonisch aufeinander abgestimmt, sandfarben, erdig – die Formen sind rund, fließend, elegant. Nichts wirkt zu groß, eher kleine Räume passen zu der unaufgeregten Ruhe, die den Charme der Insel ausmacht. Wer hier eine Woche verbringt, fährt runter. „Wenn wir Hochsaison haben, wollen wir, dass die Gäste nur eine begrenzte Dauer hier verbringen. 

Sie sollen gar nicht einen ganzen Tag buchen. Saunieren oder eine Spa-Anwendung wollen wir in den Tag integrieren. Dann wird es auch nie zu voll.“ Diese Idee war auch für die Planer maßgebend. In allen Räumen stimmt die Balance zwischen privater Atmosphäre und Vielfalt. Raum für Rückzug und Dialog. Der Blick wandert nach außen in die Dünen oder in die Schwimmhalle mit Meerwasser. 

Während wir fotografieren, finden wir viele Details, die uns gefallen, die wir unbedingt noch fotografisch festhalten wollen. Als der Tag vorbei ist, beginnen wir von vorne. Denn nun ist es die Lichtinszenierung, die neue Stimmungen erzeugt.

Am nächsten Tag sind wir erneut Gast im Schwimmdock, machen die letzten Fotos und wollen uns sattsehen an den Eindrücken, die die Badegäste genießen werden. Bis die Fähre kommt und uns ermahnt, den Rhythmus der Insel zu respektieren. Mit Genuss und so gleichmäßig, wie es das Meer vorgibt.

Die Überfahrt dauert 45 Minuten. Zeit genug, um sich vom Watt, den Dalben, der rauen Farbgebung und der Ruhe zu verabschieden.

Von Carsten Köchel und Christoph Janot.

Projektdaten Spiekeroog

Kennzahlen
Bauherr Nordseebad Spiekeroog GmbH Noorderpad 25 26474 Spiekeroog
Leistung Attraktivierung des Spiekerooger Schwimmbades, Generalplanung
Baukosten 3,88 Mio. EUR
Baubeginn Januar 2013
Planungsbeginn April 2012
Fertigstellung November 2013
Kubatur und Flächen
Brutto-Rauminhalt (m³) 11.712,00
Netto-Grundfläche (m²) 1.547,00
Wasserfläche (m²) 210,00
Raumprogramm
  • Funktionsräume
    • Foyer
  • Gastronomie
    • Sauna
  • Schwimmbereich
    • Bewegungsbecken (25m)
    • Eltern-Kind-Becken
  • Saunabereich / Wellnessbereich
    • Ruhebereich
    • Dampfbad
    • Salzsauna
    • Strandsaune
    • Dünensauna