Wasser – In seinem Element

An diesem wunderschönen Tag im Mai 2018 können wir weit über Velbert in das hügelige Umland schauen. Wir stehen unterhalb der großen, von weitem sichtbaren BKS Buchstaben, die nun seit 60 Jahren von hier oben die Schlüsselindustrie in Velbert repräsentieren. Der BKS Turm war sein erstes Gebäude dieser Größenordnung. Damals war der junge Architekt Friedhelm Krieger 36 Jahre alt. Schnell mal im Kopf überschlagen – ja richtig: er blickt von hier aus nicht nur auf sein Velbert, sondern auch auf ein sehr langes und glückliches Leben, wie er es selber gerne beschreibt.

Auch wenn es kein Schwimmbad war, um Wasser und findige Ingenieurskunst ging es auch damals.

Velbert litt 1958 unter ständigem Wassermangel. Um den Bau des Wasserturms zu finanzieren, entschied man sich, ihn mit Sozialwohnungen zu verkleiden und auf oberster Ebene ein Panorama-Restaurant einzurichten, von wo aus man sowohl nach Düsseldorf als auch nach Essen, Oberhausen und sogar bis Dortmund Sicht haben sollte. Einen vergleichbaren Blick würde man an Rhein und Ruhr vergebens suchen.

Nun fasst der Wasserbehälter rund 300.000 Liter. Fast reflexartig denkt man da, uhh, was passiert wohl mit den Wohnungen, wenn dem Wassertank etwas zustösst, wenn er z.B. platzt? Ob man da wohnen wollte? Tatsächlich war das die erste Reaktion, auch damals schon. Die richtige Antwort zu finden, war also eine der großen Aufgaben für die Ingenieure.

Unter dem Wasserbehälter wurde ein Hohlraum mit Speirinnen nach aussen erdacht und eine zweite Stahlbetondecke sollte eingezogen werden. Soweit die Planung. Doch die eigentlich Herausforderung kam dann im Bau, erinnert sich Dr. Krieger. "Wir hatten gerade einmal die Hälfte des Tanks betoniert, als uns ein aussergewöhnlich seltenes Schneetreiben in Velbert zwang abzubrechen." Jetzt erst recht die Frage: "Bleibt das dicht?"

Während er das erzählt, zeigt er auf das Velberter Parkbad.

Man kann es von dem Rundgang neben dem Wasserbehälter ganz gut erkennen. "Das war mein erstes Hallenbad, das ich danach bauen durfte. Den Umgang mit Wasser haben mir die Velberter von da ab zugetraut ... und Michael hat das Bad Ende der 90er Jahre dann mit diesem Pylon überdacht."

Friedhelm Krieger kommt die Treppen bis zur Ebene des Restaurants nicht mehr ohne Weiteres hoch. Wir entscheiden uns, die letzten Meter ohne ihn zu machen. Versprechen ihm aber auch Aufnahmen der stillgelegten Gastronomie und von oben auf dem Wasserbehälter mitzubringen.

Wie ging es denn mit dem Wassertank weiter? "Ach ja, richtig. Wir ließen uns von einem renommierten Münchner Professor in einem Gutachten attestieren, dass wir die Nahtstelle im Beton – dort, wo wir unterbrochen hatten – von Schmutz befreien und mit Haftungsgrund bestreichen würden. Das sollte reichen." 

Der ausführende Bauunternehmer legt trotzdem noch einen drauf. Um sicher gehen zu können, verkleidete er den kompletten Behälter zusätzlich von innen mit einer Spezialfolie auf eigene Kosten. "Es ist nie etwas passiert," lacht Dr. Friedhelm Krieger stolz und wirkt in diesem Moment wunderbar jung und zufrieden. 

Portraits aus dem KRIEGER Jubiläums-Buch

Das Parkbad im Herzen von Velbert

in den 60ern gebaut, in den 90ern erweitert.